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Ligue 1

Ligue 1: Das „Rhône-Derby“ – Lyon zu Gast in Saint-Etienne

Am Sonntag ist es wieder so weit. Dann treffen im Stade Geoffroy-Guichard Saint-Etienne und Olympique Lyon aufeinander. Eine prestigeträchtige Begegnung und ein Kampf um die Tabellenspitze und die Vorherrschaft in der Region Rhône-Alpes. Hier findet ihr den ausführlichen Vorbericht.

Pünktlich zum 2. Advent: ASSE oder Lyon, wer bleibt Herr im Haus an der Rhône?

Pünktlich zum 2. Advent: ASSE oder Lyon, wer bleibt Herr im Haus an der Rhône? Foto: MatHelium auf Flickr.com

Wenn die Mannschaften von AS Saint-Etienne und Olympique Lyon am Sonntagabend den Rasen des altehrwürdigen Stade Geoffroy-Guichard betreten, wird der langen Geschichte des Rhône-Derbys ein neues Kapitel hinzugefügt. Die Rivalität zwischen beiden Vereinen ist dabei dieses Wochenende nicht nur der räumlichen Nähe der beiden Städte geschuldet, sondern auch der Tabellensituation. Beide Teams nehmen Plätze auf dem Podium ein und spielen einen ansehnlichen Fußball. Die Fans erwartet also ein echter Kracher, dessen Attraktivität vielfältigerer Natur nicht sein könnte.

Geschichte verpflichtet: Spitzenteams unter sich

Dass es sich bei OL um ein Großkaliber des europäischen Fußballs handelt, steht wohl auch über Frankreichs hinaus außer Frage. Und das, obwohl das Team von Präsident Jean-Michel Aulas, der oft nur kurz „JMA“ genannt wird, diese Saison zum ersten Mal nach 12 Jahren Champions League nur in der Europa League startete. Die sieben Meisterschaften und die Dominanz in den „Nuller“-Jahren strahlen bis heute aus. Emblematische Spieler wie Juninho oder Sonny Anderson stehen für diese glorreiche Ära. Karim Benzema reifte unterdessen während dieser Zeit zum Spieler von internationalem Format.

Bei Saint-Etienne muss man schon etwas weiter zurück schauen um auf die glorreichen Zeiten zu treffen. Die sind dann allerdings richtig glorreich gewesen: Gleich Achtmal konnte man zwischen 1964 und 1976 konnten satte acht Meistertitel gewonnen werden. Bis heute sind die „Verts“ in dieser Hinsicht die erfolgreichste Mannschaft mit zehn Meisterschaften (neben den erwähnten acht noch 1957 und 1981, mit Michel Platini).

Programmheft zum Europapokalfinale 1976: Mäßige Flaggenkunde, großer Fußball.

Programmheft zum Europapokalfinale 1976: Mäßige Flaggenkunde, großer Fußball. Foto: This Day in Football History

Und auch auf dem internationalen Parkett stand „Sainté“ kurz vor dem ganz großen Wurf. Mit einem legendären Team um Jacques Santini und den „grünen Engel“ Dominique Rocheteau stand die Mannschaft von der Loire 1976 im Finale des Europapokals der Landesmeister – ausgerechnet gegen die Bayern aus München, die bereits in den beiden Jahren zuvor den wichtigsten Titel im Vereinsfußball ins Voralpenland holen konnten. Zwar unterlag ASSE den Münchnern, doch der Finaleinzug ist bis heute einer der größten Erfolge für den französischen Fußball auf der europäischen Bühne. Und etwas, was man den Lyonern bis heute voraus hat.

Lyon und Saint-Etienne: „Bourgeoisie“ und Arbeiterschaft?

Ob „OL“ oder „ASSE“, das war bis in die Jetztzeit eine Glaubensfrage in der Region Rhône-Alpes. Oft wird die stark ausgeprägte Rivalität der beiden Vereine auf die unterschiedliche Art der Städte zurück geführt, wie der in Saint-Etienne geborene Chansonsänger Bernard Lavilliers im Interview „Le Monde“ verrät. Angesprochen auf seine Beschreibung Lyons in einem seiner Lieder sagt Lavilliers:

„Das ist das Klischee über die Stadt. Ich beschrieb Lyon so: Seidenstadt, Großbürgertum, katholisch, viele Klöster. Aber auch die Hauptstadt der Gallier, von Nord bis Süd. Von außen betrachtet haben die Lyoner eine ziemlich unfreundliche Seite. Eine Stadt der halblauten Geheimnisse. In eine bürgerliche Lyoner Familie einzutreten, das ist für einen Arbeiter aus Saint-Etienne wie mich beinahe unmöglich. Die Freimaurer sind dort auch sehr präsent.“

Und das Klischee von Saint-Etienne? „Saint-Etienne ist eine Arbeiterstadt“, meint der Chansonnier. „Das Großbürgertum gibt es da auch, es ist aber weniger präsent. Die typischen Berufe sind in der Stahlbranche und im Bergbau. Und wer Arbeiter sagt, sagt auch Fußballfan. Man ist arm, das ist eine harte Stadt. Saint-Etienne ist eine fesselnde Stadt, feierwütig und schuftend zugleich. Die Arbeit ist dort wichtiger als das Geld.“

Auch wenn diese Klischees heute nicht mehr der Realität entsprechen, gerade, was den Fußball angeht, werden sie immer wieder hervorgekramt. Und besonders, wenn es um ein Lokalderby geht. Im neuen Jahrtausend ist das Rhône-Derby wieder primär ein sportlicher Wettkampf.

Bafétimbi Gomis, hier im Trikot der

Bafétimbi Gomis, hier im Trikot der „Verts“, gegen seinen heutigen Verein Lyon. Foto: gustinol / Flickr.com

OL-ASSE – viele alte Bekannte

Und wie so oft bei Lokalderbys gibt es sie: jene Spieler, die für beide Vereine gegen den Ball getreten haben. Allein in den letzten Jahren sind vier Spieler von „Sainté“ zu den „Gones“ (=Kinder), wie „OL“ auch genannt wird, gewechselt, darunter die heutigen Lyon-Stammspieler Bafétimbi Gomis und Mouhamadou Dabo. Steed Malbranque hatte letztes Jahr auch ein kurzes Intermezzo bei ASSE. Und auch der langjährige „OL“-Keeper Grégory Coupet kam aus Saint-Etienne an die Saône. Auf der anderen Seite sind gleich 10 Spieler seit 2000 von Lyon zu Saint-Etienne gewechselt (Malbranque inklusive). Mit Abwehrspieler François Clerc und den Mittelfeldspielern Renaud Cohade und Jérémy Clément sowie Trainer Christophe Galtier treffen hier gleich vier Akteure auf ihren alten Verein. Man kennt sich also und respektiert sich – zumindest meistens.

Aulas und die Playstation

Manchmal zeigen sich dann doch die typischen Begleiterscheinungen von sportlich relevanten Derbys. Etwa in Form Provokationen. So ließ sich „OL“-Präsident Jean-Michel Aulas nach einer 0:1-Derbyniederlage am 25. September 2010 zu einer Spitze gegen die Konkurrenten aus Saint-Etienne hinreißen. „JMA“ trat nach Spielende vor die Heimfans im Gerland und schimpfte nicht nur auf den Schiedsrichter, der den Gästen einen unberechtigten Elfmeter zugesprochen habe. Inmitten von „Puel raus“-Rufen (Claude Puel war damals Trainer von Lyon) der „Bad Gones“, einer bekannten Lyoner Fangruppierung, rief Aulas ins Mikrofon: „17 Jahre lang haben wir die Stéphanois geschlagen. Heute haben wir verloren aber wir dürfen unseren Stolz nicht verlieren. Wir müssen uns für die Champions League qualifizieren…weil sie, sie spielen die Champions League auf der Playstation.“

Eine Playstation zum Dank: Aulas und das Fan-Geschenk. Foto: Philippe Vacher / What's The Foot

Eine Playstation zum Dank: Aulas und das Fan-Geschenk. Foto: Philippe Vacher / What’s The Foot

Natürlich blieb eine solche Provokation nicht unbeantwortet und trotz diverser Beschwichtigungsversuche ließen sich die Saint-Etienne-Fans eine dieser Provokation „angemessene“ Reaktion nicht nehmen. Beim folgenden Derby in Saint-Etienne, das für „Sainté“ 1:4 verloren ging, schenkte ein Fan, stellvertretend für viele andere, dem „OL“-Präsidenten die angesprochene Playstation – natürlich mit Schleife.

Aulas monierte danach die fehlenden Sicherheitsvorkehrungen im Stade Geoffroy-Guichard. Und räumte ein, dass er der Konsole auch nicht ganz abgeneigt sei.

Die Champions League im Blick

Doch die Andeutung der Saint-Etienne-Fans, wer demnächst auch die Champions League auf der Playstation spielen könne, war nicht so ganz falsch. Nämlich „OL“, das sich dieses Jahr nur für die Europa League qualifiziert hat, dort aber momentan sehr gute Leistungen zeigt und seine Gruppe gewonnen hat. Trotzdem richtet man das Augenmerk in der Seidenstadt wieder auf die Königsklasse – als Tabellenführer selbstredend zu Recht. Und das drittplatzierte Saint-Etienne darf sich ebenfalls Hoffnungen machen. Um die bisher guten Leistunegn zu bestätigen, wäre ein Sieg zuhause gegen den Rivalen natürlich nicht das schlechteste Zeichen. Dagegen werden die Mannen um Präsident Aulas allerdings einiges entgegen zu setzen haben. Für Spannung ist also mehr als gesorgt am Zweiten Advent. Und für ein wenig Fußball-Romantik vielleicht auch…

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Diskussionen

Ein Gedanke zu “Ligue 1: Das „Rhône-Derby“ – Lyon zu Gast in Saint-Etienne

  1. Hiya! Where did you download layout of your website? It’s incredible 🙂

    Verfasst von minecraft gift code for pc | 1. April 2013, 22:43

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  • Wenn das sein echter Account ist, sieht man Ljuboja bald wieder auf der anderen Seite des Rheins. #LastRT 3 years ago
  • RT @LjubojaD: Direction Allemagne nouvelle destination 3 years ago
  • Ahahaha. Leute beschweren sich, dass Guardiola mit Alonso einen Spanier holt. Morgen wird dann wieder Fußball als globaler Sport abgefeiert. 3 years ago

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